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Geometrie ohne Grenzen

Galerie im Turm, Baden, Austria,
Juni 2021

Dr. Peter Marolt - Kurator:

„In dieser besonderen Zeit, wenn es nicht nur Schließungen zwischen den Grenzen der Länder gibt, sondern auch zwischen den Gemeinden, trägt diese Ausstellung einen sehr bedeutenden Titel, der die Worte "without borders" / "ohne Grenzen" enthält.

Im gegebenen Moment wurde deutlich, dass es die Künstler aller Art sind, die gleichzeitig an vorderster Front stehen, wenn es um etwas Kritisches geht, wenn auch nicht verbal. Die aktuelle Situation und die Ereignisse sind daran schuld, dass die Ausstellung der Mitglieder der Fine Artists Society Kranj – ZDSLU im vergangenen Jahr nicht stattfinden konnte.

Diese Ausstellung, obwohl nicht Teil der gesellschaftskritischen Kunst, ist ein Zeichen dessen, worauf man zuerst verzichtet, wenn eine schwierige Situation in der Gesellschaft entsteht. Kreativität. Sie macht gleichzeitig das Leben eines Menschen bedeutungsvoll und ermöglicht nicht nur das physische, sondern auch das spirituelle Überleben, während in unserem Fall zumindest einige Individuen in der Lage sind, sich zu verbinden – Bildende Künstler aus zwei benachbarten Nationen, auch wenn Künstler in der jetzigen Situation meist ums Überleben kämpfen müssen.

Der genaue Grund, warum noch nicht einmal vor zwei Jahren dieser Ausstellungstitel gewählt wurde, ist nicht nachvollziehbar, da die Öffentlichkeit damals noch nicht von der Pandemie wusste. Ich denke, es war eine instinktive Entscheidung, die keine unnötigen Beschränkungen wollte, sondern ein friedliches Zusammenleben und Suche nach einer Verbindung mit Mitmenschen, die sich in der gegenwärtigen Situation leider plötzlich auf der anderen Seite der "Grenze" - des "Zauns" befinden.

Die an der Ausstellung teilnehmenden Künstler und Künstlerinnen sind so verschieden wie ihr künstlerischer Ausdruck. Und das ist in Ordnung, auch wenn mehr Einheit der Ausstellung Gewicht verleihen würde. Der Ausgangspunkt der Auswahl war nicht eine einheitliche, homogene Ausstellung zu erreichen, sondern die Achtung der Individualität, die auch von allgemeinen Standards abweichen kann. Umso wichtiger ist in dieser Zeit Originalität, Eigenart und die Einzigartigkeit des Augenblicks zu respektieren. Genau aus diesem Grund wurde allen Teilnehmern, die zumindest in gewissem Maße die Kriterien des Themas Geometrie erfüllten, die Möglichkeit der Präsentation gegeben.

Deshalb sollte in unserem Fall das Wort Geometrie nicht unbedingt als Abstraktion, als Symbol, als Einengung des künstlerischen Ausdrucks auf einer immateriellen Ebene verstanden werden, die alles ignoriert, was für das Verständnis eines künstlerischen Motivs nicht wichtig ist. Deshalb wird einerseits die rationale und narrative Herangehensweise berücksichtigt, andererseits eine intuitive Wahrnehmung der Welt, die auch das Herzstück der Kunst ist und sie vom Alltäglichen unterscheidet.

Geometrie kann sich also in einem Detail manifestieren, wie dem Fragment einer Struktur, wie sie in der Natur vorkommt, oder auch eine durchdachte Platzierung von Kompositionselementen auf der künstlerischen Oberfläche. Offensichtliche Unordnung ist ein Teil des täglichen Lebens und die Vollkommenheit in der Unvollkommenheit der Natur. Als Teil des Lebens manifestiert sie sich in künstlerischen Kompositionen, wodurch sie sich der inneren Ordnung und Balance annähert, die wir uns im Moment so wünschen. Also lasst die künstlerischen Lösungen unterschiedlich von einander aber so ausgewogen wie möglich sein.«

(Übersetzung aus English: Elisabeth Todt)

RHYTHMUS DES (DE)KONSTRUKTIVISMUS

Das Generalkonsulat der Republik Slowenien in Klagenfurt
22. November 2018 - März 2019

Dr. Peter Marolt ist Autor, Architekt, Bildhauer, Designer und Vortragender an der Fakultät für Architektur, der in seiner Arbeit vom Konstruktivismus beeinflußt ist. Er bewundert Srečko Kosovel, die Dekonstruktivisten, Suprematisten, die Bauhaus-Architektur und liebt das geordnete Chaos. Er bringt in alle seine Arbeiten eine andere Art von Frieden und Ordnung und mag keine Symmetrie, er schreibt Haiku-Gedichte, die einen Augenblick in der Natur in extrem konzentrierter Form beschreiben, der dann mit dem Geschehen im Inneren des Menschen verbunden wird. Eigentlich ist ein Haiku ein in Worte gekleidetes Bild. Die urbanen Haiku beschreiben ähnlich wie jene mit Bildern aus der Natur den inneren Zustand einer Sache.

Dr. Peter Marolt schreibt über seine Arbeit und sein Schaffen unter anderem: "Ich betrachte die Gestaltung und Organisation des Raums auch vom bildlich-räumlichen Standpunkt. Ich fasse nach den üblichen Bildgattungen zusammen, wende Techniken und Methoden aus dem gesamten Feld der bildnerischen Kunst an, dass auch die Architektur prägt. Dabei kann sogar die bildnerische Note und ihre Bedeutung betont werden. Die bildnerische Gestaltung stellt einen integralen Bestand des Gestaltungsprozesses eines architektonischen Raumes dar. Die bildnerische Forschung, die wir bei der architektonischen Gestaltung anwenden, berührt im Allgemeinen Formen und Farben, Licht und Schatten und sogar deren mögliche symbolische Bedeutung."

"Im Kontext der Ausführung für einen genau festgelegten Zweck, vereint das moderne Bühnenbild in der bestmöglichen Art und Weise ähnlich wie jede bedeutende Architektur neben der persönlichen Reflexion des Autors die Formung des Raums, die gestalterische Sensibilität, ein feines Gefühl für das Verhältnis zwischen der materiellen, tangiblen Welt und dem geistigen Inhalt. Über das bildnerische Denken lernen wir in konzentrierter Form uns die Idee des Raums und den Raum selbst umfassend vorzustellen, wenn wir mit Hilfe der Abstraktion, mit dem Weglassen des Überflüssigen und dem Erhalten des Wesentlichen einen bestimmten Raum festlegen. Mit Hilfe des bildnerischen Wissens, der bildnerischen Art des Denkens als Art des abstrakten Denkens und mit Hilfe abstrakter Modelle, dreidimensionaler Formen, locken wir in uns kreative Fähigkeiten und den schöpferischen Geist hervor. Die auf diese Art und Weise artikulierten räumlichen Formen können der weiteren Interpretation und der Übertragung zur Raumformung dienen."

"Die bildnerische Sensibilität ist bei der Bearbeitung architektonischer oder urbanistischer Modelle sehr nützlich. Solche Synthesen der bildenden Kunst und der Architektur, zum Beispiel Farben, auch farbiges Licht, das gesamte Bildkonzept, die Sensibilität für Gewebe, die grafische Bedeutung einzelner Zugänge, bieten breite Anwendungsmöglichkeiten im Planungsprozess der Raumgestaltung. Die bildnerische Sphäre kann hier tatsächlich zu einem Ideengenerator für die Gestaltung und/oder Präsentation des Raums werden. Eigentlich gilt auch das Umgekehrte, nämlich dass Wissen, das durch das Studium der Architektur erworben wurde, bei der bildnerischen Gestaltung angewandt werden kann, da das Studium der Architektur in gewisser Weise auch eine spezifische bildnerische Ausbildung bedeutet. Dies auch deshalb, weil sich der überwiegende Teil unseres Interesses auf die Komposition selbst richtet. Nicht nur, dass die Architektur ein Teil der bildenden Kunst ist, die Poetik der Kunst der Raumgestaltung ist in bestimmten Fällen mit einzelnen Segmenten der gesamten Kunstsphäre verbunden."

Olga Butinar Čeh, Professorin für Kunstgeschichte

Artintektura - Die Kunst und Architektur

Slowenisches Kulturzentrum Korotan, Wien
8. 6. -25. 6. 2018

Kunstobjekte von Peter Marolt zeichnen sich durch hohe Verdichtung und Einfachheit aus, die wie ein inhaltlicher Teil des Entwurfes wirken und nicht nur wie die Folge der künstlerischen Reduktion. Bei der Einfühlung in seine Kunstwerke, sowie bei Schätzungen und Bewertungen seiner Werke, reicht es nicht nur die äußeren Merkmale bzw. Ausdruckskomponenten zu suchen, die mit bloßem Auge sofort zu erkennen sind. Nötig ist eine tiefe Einsicht in den komplexen Entwurf des Objektes in der Beziehung zum Raum und zum schöpferischen, charakterfesten Agens. Erst wenn man alle beteiligten Komponenten des verwirklichten Objektes versteht, kann man langsam auch das schöpferische Konzept von Marolt verstehen.

Die Objekte des Künstlers wirken wie gestalterisch entworfene Kompositionen aus verschiedenen Rastern, intensiven Kontrastober ächen und schattigen Linien. Ungewollt erinnern sie uns an die gestalterischen Lösungen der experimentellen Richtung B, die an der damaligen Fakultät für Architektur, Bau- und Vermessungswesen (neben der etablierten Richtung Architektur) im Studienjahr 1960/61 von Prof. Edvard Ravnikar eingeführt wurde. Sein Wissen und seine Kenntnisse über Gestaltung beruhen auf der Schule Bauhaus und Hochschule für Gestaltung in Ulm. Die „Studienrichtung B Gestaltung“ hat die Studierenden zur experimentellen Forschungsmethode bei ihrer Arbeit bzw. zum systematisch-analytischen Ansatz bei der Gestaltung des Produktes motiviert. Bei einigen Kunstobjekten von Marolt können wir ähnliche Lösungen nden wie bei der Gestaltung der visuellen Kommunikation von Studierenden der Studienrichtung B. Im Vordergrund standen vor allem Raster, Farb- und Strukturabgrenzungen, abstrakte Stilisierungen und Collagen. Bei Marolt geht es um eine starke Betonung der Bestimmung und der genauen Analyse der Beziehung des Objektes zu Dimensionen des Raumes, zum Inhalt und zu der präzisen Bearbeitung mit Farben, also der Patinierung.

Marolt arbeitet meistens in gemischter Technik: Acrylfarbe auf Holz, Papier, kombiniert mit Farbholz, Metall, Kunststoff, Papiermasche u. a., womit er seine Kunstobjekte veredelt. Bei der Bearbeitung des Kunstwerkes kombiniert er verschiedene Techniken und Materialien, aber Holz bleibt das Gestell bzw. wie er selbst sagt, die Grundkonstruktion des Raum-Artefaktes, das mehr Freiheit und Verspieltheit erlaubt.

Charakteristisch für die Sprache der Kunstwerke Marolts ist der sorgfältige tektonische Bau des Kunstobjektes bzw. die langsame Akkumulation von Kompositionsteilen. Ohne Zweifel stammt die künstlerische Schöpfung des Kunstschaffenden, der geschulter Architekt ist, aus seinem Fachgebiet. Denn unabhängig von seiner Tendenz zu abstrahiertem Kunstausdruck, die er auf einzelnen Partien seiner Kompositionen verwirklicht, treten immer auch die klaren geometrischen und architektonischen Akzente auf. Das merkt man vor allem bei Werken wie z.B. Moderne Landschaft (2015, Collage, Farbholz, Metall, Kunststoff, 53,3 × 22,2 × 5,6 cm) und Feld G der Landschaft des Geistes (2015, Collage, Farbholz, Metall, 54,2 × 39,0 × 3,8 cm), wo uns der Künstler im Grunde die Analyse eines imaginären urbanen Raumes vorlegt, der aus der Naturgegend herausgerissen wurde. Die Vereinigung einzelner Elemente führt uns mit ihrer Suggestion in urbane Landschaften, sodass hier Wasserkanäle, Märkte, öffentliche Gebäude uvm. erkennbar werden.

Die sogenannten umgeformten Landschaften von Marolt erinnern an die Landschaftsmotive, auf denen die reine Problematik der bildenden Kunst betont wird, und zwar nicht so stark im expressiven, aber mehr im formalem Sinne: Denn es geht um die Frage der Komposition von großen Flächen und der Komposition im tektonischen und farblichen Sinne. Seine Kunstobjekte wirken auf den Zuschauer zuerst mit der Fläche bzw. mit der Form, die bereits in der Anfangsphase einen selbstständigen Wert hat. Es ist nicht wichtig, ob sich auf der Fläche irgendwelche Eintragungen, Farbanstriche etc. be nden. Immer wird die realistische Grund äche vorgelegt, die als erste den Zuschauer ansprechen wird.

Bei einigen größeren komplexeren Kompositionen, voll von sehr genau ausgearbeiteten Details (Trägerin, 2015, Farbholz, 23,8 × 54,4 × 10,3 cm), die wie ganz selbständige ästhetische Kunstelemente wirken könnten, schöpft der Künstler aus dem reichen Fundus der konstruktiven Griffe, also der Sprache der bildenden Kunst. Sie gibt vor, dass jeder einzelne Komplex für sich selbst eine geschlossene Einheit sein soll. Einige Objekte, zum Beispiel Feuer (2017, Farbholz, 51 × 38 × 4 cm), können sowohl in der vertikalen als auch in der horizontalen Darstellung erfasst werden. Das erlauben die Formen, die aus der Grund äche erwachsen, und die Beziehung des Objektes zum Raum, den der Künstler meist als einen Teil des Kunstwerkes selbst erfasst. Der Raum, in dem das Objekt dargestellt wird – die Wände bzw. der Sockel – bezieht sich nach dem Vorbild des Suprematismus auf den unendlichen Raum, der aber nicht Teil eines unmittelbaren Raumes ist. Wegen der Möglichkeit der Änderung des Blickwinkels des Zuschauers übernehmen die Kunstobjekte und seine Bestandteile überraschend viele Formationen. So bekommt der Zuschauer einen reichen visuellen Eindruck im Raum.

Der Künstler baut wortwörtlich seine Objekte. Der Grundbestandteil jedes Objekts ist der feste Kompositionskern. Erst wenn der feste Kompositionskern mit den gegenseitig kalibrierten räumlichen Beziehungen gebaut ist und wenn der Wunsch nach Ordnung dominiert, fügt er Farben, Schatten bzw. Patina (Vergangenheit) hinzu. Dadurch wird die Kraft der Natur gezeigt bzw. die symbolischen Merkmale der Werke in der bildenden Kunst.

Marolt hat durch Forschung in der bildenden Kunst festgestellt, dass die Farbe die Form erweicht: Die Form verliert so ihre Steife bzw. es kommt zur Dematerialisierung des Volumens. Die patinierte vibrierende Fläche seiner Objekte, meist in der indianer- roten oder ultramarinen Farbnuance, zeigt die möglichen weiteren Dimensionen der Gestaltungsrichtung B. Die Künstler dieser Schule jedoch verwenden die für Architekten typische Plakatfarben, also reine Farben. Die Flächen mit einer leicht bewegten Ober äche, die in die Vertikale und Horizontale eingeheftet werden, sind bei Marolt rhythmisch und farblich abgestimmt, denn er kombiniert sorgfältig überlegte formschlüssige und koloristische Akkorde, die in einigen Momenten betont illusionistische Tendenzen des Schaffens eines neuen Raumes haben. Die bearbeitete Fläche hat in den Augen von Peter Marolt auch einen ausgeprägt kultivierten Ausdruck. Die Objekte gehen laut Künstler vor allem aus der Bedeutung der schattigen Räume hervor, die er bei der Erforschung der Tradition der ästhetischen Raumgestaltung des Fernen Ostens erkannt hat. Typisch ist, dass der Raum auch auf der symbolhaften Ebene gestaltet wird, wo die Form vor der Farbe steht. Das wird mit dem Werk „Säulen des Mondschein“(2017, Collage, Acryl auf Papier, auf Holz, 46,5 × 28 × 6,7 cm) dargestellt. Dem Künstler hat als Ausgangspunkt das Nachdenken über einen abgeschnittenen Sandkegel gedient, der im Zengarten mit dem geharkten Sand im Vollmond die Lichtstrahlen des Monds in den Raum re ektiert und die Umgebung beleuchtet.

Damit entfernt sich der Künstler vom Konzept der Grundgestaltung. Die Objekte von Marolt wirken wie das Echo der Gedanken und Wörter des Künstlers, die den Zuschauern assoziativ bzw. symbolisch die Geschichten von menschlichen Gefühlen in der Erinnerung rufen. Nostalgische Gefühle werden geweckt, also die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, die nie mehr zurückkommt. Die ewigen Symbole der Kreislinie, Spirale, Brücke, Feder, Feuer und andere konkrete und allgemein akzeptierte Metaphern sind die inhaltlichen Grundleitlinien des schöpferischen Prozesses, mit denen der Künstler auf die ewige Wahrheit von der Vergänglichkeit der Existenz hinweist.

Der Künstler ist auch der Er nder bzw. Erforscher von Beziehungen, Formverhältnissen, Materialien und Farben und ihrer Zusammenwirkung im Raum der bildenden Kunst. Peter Marolt wählt sorgfältig alle Details aus, die er überlegt in die Komposition einordnet und wandelt das Motiv in eine interessante Einheit der bildenden Kunst um. Er geht aufmerksam mit verschiedenen Strukturen, Farben, Nuancen der Patina, Raster und zufällig entstandenen Formen um. Eben deswegen sind seine Präsentationen der Kunstobjekte ein Kunstwerk für sich. Es gibt keinen Zufall und keine Improvisation. Die meisten Objekte werden gestaltet, weil der Künstler sie dem Publikum als einen Ausdruck seiner Gefühle übergeben möchte.

Aljaž Pogačnik,
Gornjesavski muzej Jesenice

 

Einladung zur Ausstellung

 

Katalog der Ausstellung

Katalog razstave
 
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